bullet2     Krankheitsbewältigung - Coping -
      Sanogenese - Salutogenese*)

 

Ein zweites Mal "Polio" . . . .
Darauf muß man erst mal kommen. Die Erfahrung zeigt es, daß viele Jahre nach einer durchgemachten Poliomyelitis -- im Alter -- erneut Beschwerden auftreten, die der Hausarzt und auch der Facharzt mangels praktischer Erfahrung nicht so ohne weiteres zuordnen kann. So muß ich erst mal selbst damit fertig werden -- als medizinischer Laie . . . .
Genau das bezeichnet man als COPING. Das Wort Coping kommt aus dem Englischen. "To cope with..." heißt soviel wie "mit etwas zurechtkommen". In der Medizin wird Coping häufig mit Bewältigung von chronischen Krankheiten und Behinderungen gleichgesetzt; wie geht ein Mensch mit den Anforderungen einer akuten oder chronischen Erkrankung um, alle Gedanken, Gefühle und Handlungen jenseits der Krankheit mit einbeziehend. Das bedeutet nicht nur die Krankheit, sondern den ganzen Menschen zu sehen.

Krankheitsverarbeitung unterliegt keinen allgemeingültigen festen Regeln , gibt es nicht nur den einen richtigen Weg, das Post-Polio-Syndrom zu bewältigen. Coping ist vielmehr ein individuell ablaufender, vom Betroffenen, seinem Erkrankungsverlauf und der Umgebung abhängiger Prozess, der nicht ohne weiteres von einem Menschen auf einen anderen übertragbar ist, jedoch in der Gruppe leichter getragen werden kann. Der Leidensgefährte kann Vorbildfunktion haben . . . .

Auf alle Fälle benötigt der Betroffene Hilfe!  Nicht allein irgendein Medikament, sondern ein komplexes Herangehen; physiotherapeutische, psychotherapeutische,
Maßnahmen, Lebenstiländerung, Selbsthilfe sind die Wege der Bewältigung.
 
Gibt es Mechanismen und Wege, die bei der Bewältigung helfen? . . . . Ja!
Zum Beispiel  "Sanogenese" und "Salutogenese".
 
Während der Begriff Salutogenese      *) eher ein psychologisches / sozialpsychologisches Phänomen repräsentiert, wird Sanogenese als ein biologisches / physiologisches Phänomen verstanden, welches im Praktikumslabor experimentell dargestellt werden kann.

Salutogenese      *) ist weniger das Gegenteil von Pathogenese, die mehr biologischen Gesetzmäßigkeiten folgt, sondern vielmehr ein Ausdruck der Möglichkeiten des „Zweiten Signalsystem“ (I.P. Pavlov) , mit Unbilden der Lebensumwelt des Menschen und seinen "Leiden" fertig zu werden. Der Begriff "Salutogenese" erinnert an den Begriff "Lebenskraft" den Chr. Wilh. Hufeland in seinem Werk "Makrobiotik" verwendet hat.      1)
Zweite Vorlesung : "Untersuchung der Lebenskraft und Lebensdauer überhaupt." (1796) 
 

Salutogenese      *) ist nicht gleich Sanogenese ; diese ist überwiegend biologisch determiniert, indem sie biologische Mechanismen (Möglichkeiten) widerspiegelt.

Salutogenese       *) + Sanogenese bedeutet für den Menschen
Psychisch-Spirituelles und Biologisches in Einheit:

Entwicklung und Aufrechterhaltung von Gesundheit (Salutogenese + Sanogenese);

Fördern von psychischer Widerstandskraft (Resilienz);

Fördern der Fähigkeit sich zu entspannen, sich selbst zu finden;

gezielte Anwendung natürlicher protektiver Faktoren (Meerson 1970):
Muskelarbeit, Hypoxie, Hyperoxie, Kälte, Sport, Bewegung, Wanderungen, Höhenwanderungen (N.Zuntz), Bergsteigen, Baden im Meer, Wasserprozeduren (Kneipp), Atemübungen, Atmung reinen Sauerstoffs (M. v. Ardenne).

Nicht zu vergessen: Gesunde vollwertige Ernährung!

 


 






Die wichtigsten Interventionsbereiche sind:

Die ganzheitliche Persönlichkeit
Der bio-psycho-soziale gesunde Kern des Betroffenen,

Die psychobiologischen Möglichkeiten des Menschen

im Einzelnen: 

Gehe zum Rehabilitationssport und gehe jeden Tag eine Stunde an der frischen Luft spazieren, oder schaffe dir einen Hund an; und wenn du keinen willst, dann denke,daß du einen hast ! Körperliche Aktivität (sich bewegen, sich motorisch entäußern)

Erwerbe die Fähigkeit dich zu entspannen; QiGong-Übungen, Jakobson-Entspannung, Autogenes Training, Selbsthypnose, Meditation... Entspannungsübungen (die Fähigkeit sich zu entspannen)

gesunde vollwertige Mischkost, Mittelmeerkost, viel Obst und Gemüse Ernährung (sich gesund ernähren)

Die Teilnahme an Selbsthillegruppen ist nutzbringend, man braucht Freunde und Bekannte Kommunikation (Soziale Kontakte pflegen, sich austauschen)

Man muß eine Aufgabe haben; Bücher lesen, schreiben, malen, basteln, gärtnern u.v.a.m. Kreativität (nützliche Tätigkeit zu vernünftigen Zwecken, sich  nutzbringend  entäußern)

geistige Außeinandersetzung ist Balsam für die Seele Spiritualität / Philosophie / Religion ( "sich finden" )

 

 

Das Post-Polio-Syndrom ist nicht nur eine körperliche Erkrankung



                                           *)Anmerkung:
                                        

Der Begriff Salutogenese resultiert aus einem medizinischen Versuch, Stressfolgen zu beobachten: In Israel wurde untersucht, wie Frauen die Menopause verarbeiten. Einem der beteiligten Forscher, Aaron Antonovsky, fiel auf, dass eine Gruppe der Frauen die Problematik des klimakterischen Übergangs erstaunlich gut meisterte.
Bei dieser Gruppe handelte es sich um Frauen, die den Holocaust überlebt hatten. Aaron Antonovsky hat diese Frauen genauer untersucht und festgestellt, dass sie über ein ausgeprägtes Kohärenzgefühl verfügen.

Was ist Kohärenz? (nach Aaron Antonovsky)

1. Die Fähigkeit, dass man die Zusammenhänge des Lebens versteht.
2. Die Überzeugung, dass man das eigene Leben gestalten kann.
3. Der Glaube, dass das Leben einen Sinn hat.

Die Schlussfolgerung für dieses salutogenetische Modell von Aaron Antonovsky war: Es gibt eine ganz neue Perspektive für Gesundheit und Gesundheitssysteme. Es gibt Antworten auf die Fragen, die das Zustandekommen von Gesundheit und Leistungsfähigkeit erklären und die aufzeigen welche gesundheitsproduzierenden Faktoren es gibt.

Ein Betrag zu diesem Thema ist in Polio-Nachrichten Nr. 3 / 2010 zu lesen:


Sinnsuche

Leid, und Leiden bewirken beim Menschen eine Neubewertung bzw. "Bewertung überhaupt" seine Leidenssituation, seine Lebenssituation überhaupt, die Bewertung seines ICH's. Wer ist Stärker: — Das Leiden oder ICH; wozu braucht es Mut, wozu Geduld und Zuversicht —  ICH begebe mich auf Sinnsuche —  auf Suche nach dem weiteren Weg, den ich zu gehen habe,— auf Suche nach dem weiteren Sinn meines Lebens