Leopold Schefer
Die Lebensversicherung

 
 

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 bullet1 II. Der erste Kunde

 

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        Halt! ein Equi-Page hält! Hier vor dem Hause! — unterbrach sie sich selber. Ich muß doch am Fenster lugen. Es wohnt ja sonst Niemand mehr hier. Mydoctor, Mydoctor! — ein vornehmer Türke steigt aus! jetzt war er herein! Nun Gott sei gedankt! Die Saalthür klingelt — ach, das klingt wieder herrlich, wie Kirchenglocken. Nun steht er draußen und weiß nicht, in welche Thür. Wie er in Sorgen steht, und mit Herzklopfen. Nein, daß ich wieder die Freude erlebe!
         Gehe Sie, führe Sie ihn sogleich herein, Frau Mill!
        Frau Mill aber stemmte die Hände.unter und sprach in gedämpftem Tone: Was? Mydoctor! Mit Nichten. Das wäre der Weg! hinausgehn will ich, höre ihn an und aus, und nach dem. Wer er ist, mache ich ihm meine gehorsame Dienerin, so tief, oder so seicht. — Aber Der — er räuspert sich ja! das ist kein vornehmer Herr!

 

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Die brechen gleich ein, und stoßen Einen wohl gar zur Seite in die Seite, wenn man nicht jung mehr ist — so ist, ach sonst, greifen sie Einem wohl auch an das Kinn. Ich muß schon gehn! Aber sein Sie mäuse- und rattenstill! Denn — muß er hören und glauben. Sie stecken bis über die Ohren in Gedanken! Sie haben auswärtige wichtige Briefe zu beantworten, und die groben Reitknechte im Schnapsladen daneben wollen gar nicht mehr warten! In einer halben, in einer Stunde, längstens in einer und einer halben Stunde wäre vielleicht Hoffnung, zu Mydoctor vorgelassen zn werden. In der Nacht gilt das freilich nicht — wenn nicht ein vorgeschützter Criticus-Schweiß aus der Noth hilft und im Bett läßt, oder eine Krankheit! — denn auch ein Doctor ist ein Mensch, ein Gesunder kann krank werden, und ein Kranker sterben, wie man der Beispiele hat! Also kann ein Gesunder sterben! Der Schuß ist richtig, besonders in ansteckenden Krankheiten! Da legte sich Mydoctor in Zeiten an, um sie zu umgehn, oder zu verliegen, und hatte noch obendrein den günstigen Ruf, daß er sich so ausgesetzt! Das war unsre schönste Zeit! Da ward das Beste gegessen und getrunken und Alles so heimlich! da schmeckt es am besten! — Nun, nun, ich gehe ja schon! 
        Der neue Doctor hörte jetzt, wie der Türke in — wie Felsenstücke — hervorgepolterten Englisch seine Worte ausstieß, und Frau Mill seinen Ohren das Alles gleichsam löffelweise

 

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einzunehmen gab, was sie ihm zu sagen sich vorgesetzt. Nach kurzer Frist brachte sie eine Adreß-Charte herein, und zeigte auf der andern Hand ein Silberstück — eine Krone — „für schleunige Meldung.“
        Aber die Adresse war an Doctor Hammer ja von ihm selbst. Er gab sie zurück.“ Sie stutzte zum Schein, aber nur einen Augenblick, und sagte dann lachend: Sehen Sie, was Ihnen das einbringt, daß Sie schon in eines Doctors Wohnung wohnen! Die Menschen zollen ja Häusern und Steinen, Tischen und Bänken die angeborne und angelernte Ehrfurcht! Wer auf dem alten sogenannten heiligen Stuhle sitzt — ist heilig, bei Pfänderstrafe; ein neuer blutjunger nur eben auch schwarzer Pfarrer auf der alten Kanzel, ein neuer Sprecher auf dem alten Wollsack — und der alte Respect wankt und weicht nicht, und wenn die Herren alle das ewige Leben gar wohl verdienten. Wie gut war also mein Rath, mich in meinem Stübchen zu lassen, darinnen ich einsam sitzen geblieben, weil noch die Miethe bezahlt war; und daß Sie des Stadtberühmten Doctor Hammers Wohnung bezogen! Sir Ben-John, der seinen Sclaven, oder was er sein mag, schickt — ist krank; nun müßte seine Krankheit Wahnsinn sein, wenn ihm ein lebender Doctor nicht lieber ware als ein todter, der nicht mehr aufzutreiben ist.
        Das ist bei Manchem gar sehr die Frage, versetzte Doctor Silvati; er kann einen Andern, Lebenden wünschen; daher sende Sie

 

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den Muselmann mit der Adresse zurück — und was Sie sonst zum Bescheide will sagen! nur bescheiden!
        Nun so wissen Sie denn: der Türke weiß schon von mir, daß nun ein neuer Doctor, und nicht der seligentschlafene Hammer hier wohnt, und sagte: Sie möchten Hammer, Zange, ja Amboß heißen — sein Herr habe ihm nachgerufen, den Doctor zu bringen, todt oder lebendig! Dabei strich er den Bart und zog den Säbel — und horch! wahrhaftig er geht nun Schildwache vor der Thür! Lassen Sie ihn denn gehen in Gottes Namen, oder in Mahomets, wenn die Türken einen andern Gott haben und haben können als wir Rechtgläubigen, was denn dahinsteht, und Gott befohlen sei! Warten aber muß er, gehend, krummsitzend, oder stehend — um Ihres künftigen Rufes willen. Ich lasse Sie noch nicht fort! Das weiß ich von Mydoctor. Und so hören Sie mich gelassen an, was Sie Ihm noch Alles nachzuthun haben; Wir wurden nur unterbrochen. Und die Charte mit der Hand bedeckend, sagte sie:
        Fünftens, glaub' ich. Er ließ in alle Zeitungen Danksagungen für Curen setzen, die er unbekannterweise selbst in die Druckereien trug und bezahlte, als der Eine Repräsident der Vielen Geneseten, die — weislich ausgedacht — am besten selbst nicht dem Namen nach subsistiren durften! Wer weiß denn in London, wer in London nicht lebt? da selbst die Lebenben die Lebenden kaum alle besser kennen, als die Todten die Lebendigen.

 

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Erst kam Eine und dieselbe Belobungsadresse in alle Blätter, da jedes nach seiner Stimmung nur seinen Bienenstock hat, in welchem es widersummt. Nachher besann er sich. Er ließ sich im Courier beloben als schnell zu Hülfe eilender Doctor — da kamen nun Alle, die Hals oder Beine gebrochen, daß es eine Freude war, die armen Menschen zu sehn. In dem Star ließ er sich als Augendoctor beschwatzen — da kamen die Ganz- und Halbblinden, Rechenmeister, Kalklader, Optikuße, und Maiochsen oder Meiopse, wie es heißt, und Zeter-ah. In die Times ließ er sich als gründlicher Arzt für die Chronologischen Kranken rücken, bei deren Cur die Zeit das Beste thut. In der Standard empfahl er, sich, alte oder neue Cavallerie- und Infanterie- auch Artillerie- Hieb- und Schuß-wunden zu curiren. — Da kamen die hübschen Offiziere zum Augenwehthun, hübsche Mannschaft, bis auf den Hieb oder Schuß, den ein Jeder hatte. In der damals ganz funkelneuen Lanzette, die jetzt dem alten Sauerteige der alten Quacksalber den Krieg erklärt und die Jungen selbst in den Harnisch gejagt hat, und Allen das Blut ins Gesicht, und die den Kranken und Gesunden den Staat sticht, daß sie die Augen aufthun, und auf behalten sollen, und die jeden Fuscher einen Fuscher nennt und seinen Namen dazu — darin stand er als Operateur. Da brachten sie ihm nun die Leute auf Wagen gebracht.

 

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Als er nun auch noch im Herold sich dem hohen Adel empfohlen, und in das Monatliche Magazin sich als Weiberdoctor hingetragen — da kamen Weiber, mein Gott, daß mir noch die Ohren von hören, und die Zunge von fragen und antworten weh thun. In der Abendpost dankten ihm selbsterschaffene junge Leute für glückliche Heilung — da hatte der Bediente vollauf zn melden. Als er aber zuletzt im Mitternachtsblatte sich auch als Kinderdoctor gehörig bedanken lassen mit Thränen glücklicher Aeltern, daß ich selber vor Rührung auf das Blatt mußte weinen — da kamen Mütter, Väter, Witwer, Witwen und Waisen, und ich hatte nur Gingerbread und ander Gebackniß genug auszutheilen, daß unterdessen den Kindern die liebe lange Zeit nicht lang ward, bis sie zur Ehre kamen. Da ging es zu Menschen und Gelde! Da bekam My-Hammer einen Stiel! Aber das Mittel ist halb ausgedroschen. Darum rathe ich siebentens: Sie schicken einen gemietheten stummen Emphehlungsmann in die Stadt aus, der sich in den Straßen, Tavernen, Läden und auf den Squares geduldig ablesen, wenden und bekehren läßt, wie eine alte Betschwester, oder richtiger gesagt: wie ein Wegweiser. Hinten, was Sie für Curen gemacht; vorn ihre Adresse mit Hausnummer, Alles wohl und schicklich angebracht auf dem weiten steifen pappenen Oberrock. Klappern gehört zum Handwerk, und mein Gott, in London klappert Alles, und wer in den lieben heutigen jüngsten Tag nicht selbst die Posaune bläßt, der steht auch nicht mit auf!

 

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Und doch ist mit bloßen Kunden, das heißt mit armen, noch nichts gethan! Die Wahl muß man haben! sagte Mydoctor; und wer wählt da nicht lieber die reichen Sünder, statt der Armen, die ihre Hinrichtung nicht bezahlen tonnen? — das sagte er nur jokkose, wie er sagte. Wenig Kunden und doch viel Geld, war sein, Cymbalum. Damit nun die Herren und Frauen auch Jungfrauen und Junggesellen Pazzienten ihm Viel bezahlen — denn der Kaiser schenkt Niemand einen Groschen, wenn er in Noth kommt, sondern Louisd'ors zu Hunderten — darum schien er erst reich, bis er es ward durch, den Schein. Einem reichen Doctor schämt sich selber der Aermste: Wenig zu geben, und giebt lieber gar nichts, weiß ich zu sagen — und die Schaam ist gut, ja sehr heilsam bei Reichen, die auch billiger wegzukommen denken, aber nicht sagen, wenn sie die nach Golde riechende Cur-Pill nicht erst erwarten. Darum, neuntens, lag in dem großen Vorsal das Silberzeug nur so verstreut! Da stürzte ein großes emahlirtes Theebret von Silber, schwer, daß mir die Achseln noch wehthun, wenn ich gedenke, ich trage es noch unter die armen Leute hinaus — und das mußt' ich des Tages vielmal — vergoldete Löffel nicht Löffelein, prachtvolle Tassen von China - Waare standen in den Ecken auf Rosenholz-trumeaux und buffets; jammerschade blausammtene Sofa's für die Lümmel von Kammerdienern und Leschel von Bedienten; hohe Gardinen von schwerem Carmoisin mit Gold besetzt hingen tief auf den ganz

 

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türkischen Teppich herab; eine fast erschreckliche silberne Glocke — wenn man eingenickt war, rief zu Mydoctor — kurz es war Alles ganz jämmerlich anzusehn, daß Einem das Herz im Leibe nicht lachte — bis es bezahlt war! Denn alle Tage rißkirten Wir, rissen die Kaufleute, die auch Borgleute sind, Alles das Ihre wieder herunter, und trügen es fort, oder ließen es sich tali quali höflichst wieder ausbitten, wie es erst vor acht Tagen Mydoctors lachende Erben gemacht — daß mich der Bock stieß!
        Doctor Silvati, voll Gedanken, hatte Frau Mill nur sprechen gesehn, kaum gehört, indeß er sich anzog. Während er nun den superfeinen Bratenrock von Superelectoralwolle herausnahm, und Frau Mill ihm das „wie geschneite“ baptistene Vorhemd hinlegte, und er sich fertig machte, seine Jungfercur zu unternehmen, gewann sie noch Zeit ihm zu sagen: Ach Gott, wie gern steckte ich Ihnen nun eine große goldene Dose in die Rocktasche! Denn erstlich .— hätte ich selber Eine, und Sie zugleich und wenn auch nicht zugleich, doch so gut als Ich. Mit einer goldenen Dose tritt man ganz anders auf, denn welcher Doctor wird sich — denkt Jeder — eine kaufen? — es ist also eine sogenannte Dank- und Ehrendose — als wenn die Nasen sich um Haus, Hof und Staat vorzüglich verdient gemacht. Aber Sie haben Nur Eine, von einer weiß Gott schon wie lange todten Schildkröte.

 

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Und nun soll ich Ihre liebe weiße runde Hand gar ohne Ringe dahinfahen sehen, und so gern wie Mydoctor Hammer steckte ich Ihnen gern alle Finger voll Schmarrachten, und Karfiole! Denn Er hatte Zwei goldene Dosen, Zwei; nämlich eine Ministerville, voll Prinz-Regent, und eine Oppositionsdose mit Spagniol oder Pariser — nach den politischen Conjecturen, und nachdem er nun zu Einem oder dem Andern solcher wandelbaren Herren fuhr; ja er nahm sie später stets Beide mit, wenn von einer Krankheit zur andern der Herr unterdeß in das Oberhaus gewackelt war zur Gegenparthei, wenn er bei der Seinen angefangen zu wackeln und wanken; denn eine Dose ist ein sehr procedurliches Geschenk, und auf Mydoctors Dosen stand der Name eines solchen — wo möglich gestorbenen Herren, und das war sehr leicht möglich — eingegraben mit der Jahreszahl, ein Paar Jahre vor seiner letzten — also immer nicht ganz ehrenhaften — Krankheit, mit der Theewiese: „Für Lebensrettung“ — meinem wackern Doctor Hammer. — Später hatte er sie zum Wechsel auch noch mit Juwelen vom Juden. Denn immer Dasselbige haben und tragen: Rock, Weste, Hosen und Dosen, auch Hauben und Tücher — ich meine nur Eine und Eins bis an sein seliges Ende — zeigt Armuth, Allen schädliche Armuth, aber dem Doctor am meisten! — Und die Ringe! — In der Zeit, da ich noch den zinnernen Eßlöffel-Stiel als silbernes Kaffeelöffelchen gebrauchen mußte, da waren freilich die Steine erst falsche

 

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geborgte! dann aber geborgte ächte, geborgte Tophasen — zuletzt bezahlte Diamanten. Doch ich habe Credit! Und ein Equi-Pagel Ach Gott, daß ich Sie soll in geschickten Pferden und Wagen dahinrasseln sehen, das halten meine Augen nicht aus, ich muß mir die Ohren zuhalten; und sollte ich Sie wohl gar zu Fuße nach Hause stolpern sehen, wie einen gemeinen Rasanten, und noch dazu ohne rothplüschenen alten wie abrasirten Rasirbeutel — da rührt es mich gleich auf der Stelle! Ein Equi-Page ist das Erste. Wer zu Fuße kommt, der kann Nichts! Selbst kein Sprach-, Gesang- und Turnlehrer, kein Tanz-, Clavier- und Transchier-Meister; und er kann wirklich in London Nichts, sonst hatt' er Etwas in London, also auch Equipage. Der Schuß ist richtig! sagte Mydoctor.
        Der neue Doctor war fertig, und sah noch mit einem düsteren Blick in den Spiegel, während er die Handschuh anzog. Frau Hill bezupfte ihm die Halskrause und die Schleife, betrachtete ihr Doctorchen wohlgefällig, klopfte ihm auf die Backen und sagte: Noch Eins! — das Aller-aller Wichtigste von Allen! Ist nicht etwa eine oder die andere vornehme Dame von Ihrer Bekanntschaft? Da wäre was zu machen, und ich hätte was im Sinn.
        Warum? Was? frug Er drängend.
        Nun ich denke jetzt nur, meinte sie. Ein vornehmer Kranker — Der rettet dem Doctor das Leben, und bringt Ihn auf die Beine.

 

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Ich erinnere mich der Worte noch wohl: Den Arzt macht nicht berühmt, daß er Vielen das Leben erhalten hat, denn das vergessen die Leute, und bieten dem Doctor dann kaum einen guten Morgen, oder guten Tag, der ihnen Monate und Jahre nicht allein geboten, sondern wirklich geschenkt hat; nein, sondern daß er Viele — am liebsten Vornehme curirt hat, nämlich daß ihm Viele gestorben sind, das vergißt Keiner so leicht, am wenigsten die Vornehmen. Die Armen zählen nicht, und, werden nicht gezählt. Nun kommt die Sache! Hat ein Doctor nun, was man sagt, abgeliefert — das gibt ihm und Andern Zutrauen und setzt Erfahrung voraus — wenn es auch keine gibt, sagte Mydoctor Hammer.
        Hätte sie nicht so gesprochen, Frau Mill, so hätte ich ihr geschwind noch eine sehr vornehme Freundin genannt, jetzt verheirathet, die ich sonst als Mädchen sehr oft mit ihrem Bruder vom Collegio aus noch bei ihren Aeltern gesehen, und die mir sehr wohl wollte, und vielleicht noch will, ja die in der Zeit, wo die jungen Mädchen mit Recht gleich Den heirathen wollen, der ihres Herzens erste Entfaltung gesehn, und davon bezaubert ist — mich geheirathet hätte, wenn sie nicht selber glaubte, warten zu müssen auf mich. Aber in der Erwartung zogen ihr alle andere Wünsche der Mädchen ins Herz, und die Kenntniß der Welt, nämlich: des

 

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Geldes, des Standes, der Verbindungen, die ihnen gar nichts taugt, und sie nur abwendig macht, ohne sie je mehr etwas so Liebem und Theuerem zuzuwenden. Deswegen aber bleibt sie mir werth, und desto mehr zu bedauern, so daß ich sie ihr nicht nenne, Frau Mill! Ich muß fort.
        Hab' ich denn gesagt, daß Sie die werthe Person curiren sollen? Weiß ich denn, ob sie krank ist? Aber das weiß ich, daß, wenn sie sich Ihnen zu Liebe und zur Ehre nur ein vierzehn Tage bis drei Wochen krank stellte, nämlich sich zu Bett legte, ja wenn ihre Krankheit ganz namenlos bliebe — daß viele schöne Damen, die erführen, daß Sie die arme kranke Lady so schön und blühend wieder hergestellt — und so ihre Krankheit verschwiegen, Sie überschwemmen würden mit Briefen und Gold. Zum Lohne könnte die ganz charmante Person Ihnen dann aus Liebe Pferde und Wagen nebst auf ein Jahr voraus apanagirtem Kutscher schenken, und der Herr Mann müßte Sie noch segnen, und die Equipage dahin — das heißt daher zu Ihnen fahren sehen! Remise und Stall ist leer! — Nun? hat sie nun noch keinen Namen?
        Alte Hexe! — vielleicht morgen oder übermorgen! Sonst läuft sie noch heut zu Mylady Will-William!
        Die Alte biß sich auf die Lippen und nahm die alte Hexe nicht übel, da Mydoctor wirklich blos in der Zerstreuung ihr deutlich den Namen genannt.

 

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        Schon an der Thür sprach sie vergnügt: Nun kann ich doch für die Krone ein gutes Mittagsessen zu Abend besorgen! Denn Ihre Besuchsguinee darf nicht angerissen werden! Die wird mit einem Stück Brot und Rhabarber in irgend ein Stück von einem Kranken eingewickelt und vor der Hand noch in die leere Casse gelegt. Da hat man immer Geld! da giebt es immer Kranke, die Gott sei Dank nie aussterben! Und ja das Rezept — wie der General die Marschordre schreibt, hübsch eilig geschrieben, und etwas arabisch, so, daß es kaum die ganze zusammengelaufene Apotheke zusammenbringt, und gleich nach zwei, drei Fragen an den Kranken ohne langes Sumiliren; und hübsch theuere Medicin! denn was nur einen Penny kostet, dazu hat kaum ein Armer Zutrauen, geschweige ein Reicher; denn in der Krankheit glaubt Jeder eine große Anstrengung, ein großes Opfer Gott und den Menschen bringen zu müssen, also auch dem Doctor und Apotheker. Das macht die Sünde in dem Kranken, die Reue, die Schwäche an Kraft und Verstand, sagte Myboctor.
        Schon gut, schon gut; sprach er, die Thür öffnend, und das Stoßgebet der jungen Doctoren betend, die zu ihrem ersten offiziellen und offizinellen Kranken gehn.
        Nun gehn Sie mit Gott! drückte ihm Frau Mill die Hand; mit Gott an ihre Jungfercur! Denn — a Nemine salus! von Gott kommt Gesundheit — sagte Mydoctor.

 

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Der Türke grüßte ehrerbietig in feiner Weise; er ließ den Doctor vorausgehn, mußte gegen seine Art, ihm nacheilen; sie stiegen ein, und der Wagen rollte dahin, während Frau Mill vor Freude vergaß die Ohren sich zuzuhalten,

 
 

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